{"id":175,"date":"2022-12-28T17:41:34","date_gmt":"2022-12-28T16:41:34","guid":{"rendered":"https:\/\/machs-auf.at\/?p=175"},"modified":"2023-02-05T22:27:20","modified_gmt":"2023-02-05T21:27:20","slug":"auch-fuer-technikgestaltung-gilt-nichts-ueber-uns-ohne-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/machs-auf.at\/index.php\/auch-fuer-technikgestaltung-gilt-nichts-ueber-uns-ohne-uns\/","title":{"rendered":"AUCH F\u00dcR TECHNIKGESTALTUNG GILT: NICHTS \u00dcBER UNS OHNE UNS!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>F\u00fcr viele h\u00f6renden Menschen bin ich die erste geh\u00f6rlose Person, die sie kennenlernen und f\u00fcr viele nichtbehinderten Menschen bin ich \u00fcberhaupt die erste behinderte Person, mit der sie interagieren. Die Technik- bzw. Informatikindustrie wird von nichtbehinderten Menschen dominiert. Beispielsweise hat mich in meiner Ausbildung zum Netzwerktechniker keine Person unterrichtet, die sich selbst als behindert identifizierte. Diese Auswirkung sp\u00fcre ich im Alltag stark: Mein Staubsauger hat kein Lichtsignal; ohne, dass ich es bemerkte, lief dieser zuletzt drei Stunden im Vollbetrieb \u2014 sehr zum Verdruss meiner h\u00f6renden Nachbar*innen.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bis vor Kurzem gab es in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln kein visuelles Warnlicht beim Schlie\u00dfen der T\u00fcre, was zu unangenehmen \u00dcberraschungen und eingeklemmten Beinen f\u00fchrt. Nur in etwa 3% von ungef\u00e4hr 10.000 geh\u00f6rlosen Menschen in \u00d6sterreich haben Zugang zu einer ad\u00e4quaten Ausbildung, die es Ihnen erlaubt auf Maturaniveau abzuschlie\u00dfen. Tutorials zu technischen Themen sind ma\u00dfgeblich schriftbasiert und so aufbereitet, dass sie dabei einer rein auditiven Logik, aber keiner visuellen folgen. Wenn es dann einmal Videos gibt, sind diese, wenn \u00fcberhaupt, nur selten untertitelt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/oliver_suchanek-856x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-312\" width=\"315\" height=\"375\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Oliver Suchanek<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Was mir meine Ausbildung weiters gelehrt hat, ist dass konsequent von mir erwartet wird, mich an nichtbehinderte Menschen anzupassen.&nbsp; Sollte ich einmal meine eigenen Bed\u00fcrfnisse nach Barrierefreiheit (oder wenigstens -armut) \u00e4u\u00dfern, f\u00fchle ich mich inzwischen schon selbst schlecht dabei, st\u00e4ndig aus dieser bittstellenden Haltung heraus zu agieren. Wenn meinen Bed\u00fcrfnissen dann doch einmal entsprochen wird, f\u00fchlt es sich an wie Luxus, wof\u00fcr man ewig dankbar sein m\u00fcsste. &nbsp;Luxus, der nichtbehinderten Menschen jeden Tag ohne weiteres Zutun selbstverst\u00e4ndlich zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Lichtklingel f\u00fcr mehr Licht in Barrierefreiheit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Barrieren begegnen mir aber auch in dezidiert sozialen Technikr\u00e4umen.&nbsp; So wird auch bei digitalen und technischen Projekten im Wiener Metalab \u2014 einem Community betriebenen Maker- und Repairspace (\u201cHackspace\u201d) \u2014 Barrierefreiheit oftmals nicht aktiv von Anfang an mitgedacht.&nbsp; Das liegt nicht daran, dass das nicht gewollt wird, sondern ist schlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass nichtbehinderte Menschen einfach kein Bewusstsein f\u00fcr potentielle Barrieren entwickeln, weil sie damit nicht pers\u00f6nlich konfrontiert werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18-1024x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-325\" width=\"372\" height=\"372\" srcset=\"https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18-1024x1024.png 1024w, https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18-300x300.png 300w, https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18-150x150.png 150w, https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18-768x769.png 768w, https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18-1534x1536.png 1534w, https:\/\/machs-auf.at\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Bildschirmfoto-2023-02-05-um-22.20.18.png 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 372px) 100vw, 372px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dazu ein kurzes Beispiel: Als Vorstandsmitglied des Metalabs bin ich sehr oft vor Ort aufzufinden. Bis vor Kurzem konnte ich allerdings Besucher*innen nicht hereinlassen, weil die T\u00fcrklingel nicht auf geh\u00f6rlose Menschen ausgelegt war. Als ich anfing dar\u00fcber zu reden, dass ich stets innerliche Unruhe empfinde, wenn ich alleine im Metalab bin und sonst niemand auf die T\u00fcrklingel h\u00f6ren k\u00f6nnte, sprang ein Freund von mir entsetzt auf (\u201cAhja, absolut! Das geht so nicht weiter!\u201d). Ganz der \u201cSelbst machen und hacken\u201d-Philosophie, die hier im Lab herrscht, wurde die Lichtklingel mithilfe eines Mikrocontroller und einer Lochrasterplatine an eine Alarmleuchte geschraubt. Die Lichtklingel gibt mir ein St\u00fcck Eigenst\u00e4ndigkeit zur\u00fcck; ebenso untermalt sie allerdings auch\u00a0 das DIY Mindset des Metalabs bzw. hebt es die Perspektive der Nachhaltigkeit exzellent hervor.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>MACH\u2019S AUF!&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Um auf genereller Ebene zu fragen, was geh\u00f6rlose Menschen ben\u00f6tigen, um sich barrierefrei Technikf\u00e4higkeiten anzueignen oder eigene Projekte umzusetzen, arbeite ich jetzt bei MACH\u2019S AUF! mit. (<a href=\"https:\/\/machs-auf.at\/\">https:\/\/machs-auf.at<\/a>). Am Beispiel des Metalabs versuchen wir kreative und kulturelle Orte (Make- u. Hackspaces) zug\u00e4nglicher zu machen. Genauso wollen wir die Aufmerksamkeit auf nachhaltige Wirksamkeit, die sorgsame Nutzung von nat\u00fcrlichen Ressourcen und Repair-Kultur lenken. In diesem Projekt wirken Dr.x Katta Spiel (nin\/they) (<a href=\"http:\/\/katta.mere.st\/\">katta.mere.st<\/a>) und ich (<a href=\"http:\/\/oliversuchanek.com\/\">oliversuchanek.com<\/a>) selbst mit Unterst\u00fctzung von Christine St\u00f6ger (sie\/she), um mit dem Metalab als Case Study zu untersuchen und zu erforschen, welche Ma\u00dfnahmen es ben\u00f6tigt, um Barrieren abzubauen aber auch, um diese gar nicht erst einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Vermittlung von Technikinhalten und \u00f6ffentlichen Veranstaltungen zur Diskussion von Technik und Behinderung, haben wir bisher festgestellt, dass es auch ganz besonders um beil\u00e4ufige Sichtbarkeit geht. Mit der Einf\u00fchrung der \u00d6GS Meet Ups (<a href=\"https:\/\/metalab.at\/wiki\/%25C3%2596GS_MeetUp\">https:\/\/metalab.at\/wiki\/\u00d6GS_MeetUp<\/a>), die seit Mai stets Mittwoch Abend ab 19:30 bis Open End stattfinden, lernen immer mehr h\u00f6rende Menschen die \u00d6sterreichische Geb\u00e4rdensprache und wir, geh\u00f6rlose Menschen, f\u00fchlen uns ein St\u00fcckchen mehr willkommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele h\u00f6renden Menschen bin ich die erste geh\u00f6rlose Person, die sie kennenlernen und f\u00fcr viele nichtbehinderten Menschen bin ich \u00fcberhaupt die erste behinderte Person, mit der sie interagieren. Die Technik- bzw. Informatikindustrie wird von nichtbehinderten Menschen dominiert. 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